Adventsgeschichte (07.12.2018)

Meine Mutter fragte mich nach einer neuen Weihnachtsgeschichte. Ich hatte keine. Das hat sich gerade geändert. Gern teile ich mit euch meine kleine Adventsgeschichte.
Der Südstern ist unsere Stadtteilzeitung. Ich bin in der Lyrikgruppe tätig. Wir treffen uns vierteljährlich und überlegen, welche Gedichte am besten in das Blatt passen. Ab und zu findet ihr dort auch eins von mir. Ich helfe in unserem Wohngebiet, begleitet von meinem vierbeinigen Freund, bei der Verteilung dieser Zeitschrift. Heute wollte ich meinen Einsatz wegen des Wetters verschieben. Nach einer kurzen Erholungsphase gab ich mir einen Ruck und machte mich zum ersten Mal ohne Hund auf den Weg. Den konnte ich ja nicht vor die Tür jagen. Ich war erstaunt, wie freundlich die Leute reagierten, da ich den Auftrag habe diese Zeitung in jeden Briefkasten zu werfen, egal ob Werbung und kostenlose Zeitschriften erwünscht sind oder nicht. Ich habe immer geglaubt es liegt an Rocky, dass die Leute so nett sind, aber sie mögen dieses Heft tatsächlich. 17.00 war es schon dunkel und ich genoss die weihnachtliche Stimmung. Die Lichter in den Fenstern und Vorgärten verzauberten mich. Gerade drehte ich mich um und wollte zu meinem Zeitungsrollser, da kam mir eine junge Frau entgegen. Sie sang Last Christmas. Mit ihrer zarten Stimme trällerte sie „This year, to save me from tears". Als sie mich bemerkte, verstummte sie vor Peinlichkeit.

 

Hallo, wo leben wir denn? Es ist Advent, da singt man Weihnachtslieder. Welche verklemmte Socke bringt den Menschen nur bei, dass es peinlich ist auf der Straße fröhlich zu sein? Traut euch! Lebt! Das waren meine Gedanken. Gesagt habe ich allerdings nichts. Als die junge Dame vorbei war, so gut wie im Erdboden versunken, beendete ich die Strophe: „I'll give it to someone special".
Sie drehte sich um und was soll ich sagen. Leute, das ist Weihnachten, wenn sich zwei Menschen von Herzen anlächeln, selbst wenn sie sich noch nie zuvor gesehen haben.

Heute schon geweihnachtet??? heart

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