Beseeltes Mistwetter 25.10.14

Ich mag den Herbst. Doch bei diesem regnerischen Schmuddelwetter hält sich meine Euphorie in Grenzen.

Heute Morgen, auf dem Weg zum Bäcker, bemerkte ich ein älteres, adrett gekleidetes Ehepaar. Die beiden flanierten, ungestört vom Regen, händchenhaltend auf mich zu. Ich genieße diesen Anblick, wenn zwei alte Leute so liebevoll durch die Straßen bummeln. Mein Mann würde sagen sagen: „Die halten sich doch nur gegenseitig fest, damit sie nicht stolpern.“ Ich muss schmunzeln. Wenn ich alt genug werde und die Stolpergefahr wächst, habe ich also auch eine Chance mit ihm so herumzuschlendern.

Die Dame bückt sich unerwartet und hebt etwas auf. „Sieh mal, wie schön das ist!“, sagt sie zu ihrem Mann und hält das Etwas wie einen Schatz in ihrer Hand. Beide schauen lächelnd, voller inneren Frieden auf ein nasses, bunt gefärbtes Blatt.

Eigentlich sollte ich an dieser Stelle aufhören. Es ist alles gesagt, aber irgendwie kann ich nicht. Ich denke die ganze Zeit an diese glücklichen Gesichter, die sich im Regen, an einem farbenfrohen Blatt erfreuen. Genau das will ich mir auch bis ins hohe Alter bewahren. Ich nenne solche Augenblicke: „Die Seele füttern.“ Menschen, die ihre Seele nähren, haben es nicht nötig hilflosen Wesen Schmerzen zuzufügen. So lautet zumindest meine Theorie. Meine Seele hatte heute noch nichts, nur dieses Rentnerpaar. Dafür weiß ich was bei Facebook los ist.

Was ich jetzt mache? Ich ziehe mir Gummistiefel an, schnappe meinen Hund und schau mir bunte Blätter an.

 

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