So meine Lieben. Nun erzähle ich von meiner Jagd nach Rabbit. Ich war ziemlich jung. Muddi ist jeden Tag mit mir in den Wald gegangen und hatte immer lecker Happen dabei. Wenn sie mit dem Maul ungefähr so machte:"Wiiiiiiiiiwit!", bin ich sofort hingelaufen. Dann hat sie gesagt: "Primahier!", und ich bekam ein Leckerli. Wir haben "Primakuckuck" gespielt und "Primasitz" und "Primableib" und "Primawarte!" Auf dem Heimweg machte ich eine großartige Entdeckung. Ich schnüffelte so im Gebüsch, auf einmal sprang ein Kumpel auf, der hatte sich da versteckt und wollte spielen. Der hatte noch größere Ohren als ich, das musste ich aus der Nähe betrachten. Heute weiß ich natürlich, das war "Lassdenhase", aber damals war ich doch noch klein. Also bin ich hinterher. Ich hörte Muddi noch brüllen, aber egal, die kann auch mal einen Augenblick warten, bin ja gleich wieder da. Ich hetzte den Ohren immer hinterher. Was für ein bekloppter Typ war das denn? Anstatt in eine Richtung zu laufen, sprang der Kerl von schräg nach schief und von zick nach zack. Und ich immer hinterher. In der Ferne hörte ich: "Wiiiiiiiiiwit!". Aber ich konnte nicht zurück, der Langohrige war zäher als ich dachte. Wir jagten durch Büsche, über Gräben und durch Pfützen. Dann hing ich plötzlich im Dickicht fest, mit meinem Kostüm. Das sagt John immer. Muddi meint es wäre ein Geschirr. Jedenfalls hat das Ding sich in unter einem umgestürzten Baum verhakelt. Ich kam nicht mehr voran und bekam Panik. Immer wieder versuchte ich mich nach vorn zu bewegen, aber ich hing fest. Außerdem spürte ich, dass ich furchtbaren Durst hatte. Meine Zunge hing auf dem Boden und ich bekam kaum noch Luft. Nun rief ich Muddi, aber sie war nicht mehr da. So verharrte ich einige Zeit und dann kam mir eine geniale Idee. Ich versuchte mich rückwärts zu bewegen und nach ein zwei oder vier Versuchen klappte es tatsächlich und ich war frei. Obwohl ich total glücklich war und sofort zu Muddi rennen wollte, musste ich mich erst mal lang ausstrecken. Überall lagen lose Blätter umher, das war super weich. Ich japste immer noch nach Luft. Zum Gück gab es viele Wasserlöcher. Mittlerweile war es dunkel. Und kalt war mir. Oh war mir kalt. Ich musste nun schleunigst zurück. Muddi gibt mir jetzt bestimmt kein Leckerchen. Endlich bin ich zurück. Genau hier hab ich sie zuletzt gesehen. Wo ist sie denn? Muddi? Muddi? Ob sie sich versteckt hat? Das macht sie manchmal, wenn ich zu weit vorlaufe. Ich konnte sie nirgendwo finden. Auf einmal hörte ich fremde Stimmen. Schnell ab ins Gebüsch! Ich hatte plötzlich ganz große Angst. Überall knackte und raschelte und knarrte und kicherte es und wurde immer dunkler. Ich war ja noch so klein. Heute hab ich vor nix mehrAngst! Ich wollte Muddi finden. Was war das? Ich hab sie doch gehört. Tatsächlich. Woher kam das? Von da gaaanz hinten. Egal. Ich musste da schnellstens hin. Ich lief nun in die Richtung, wo ich meinte Muddi gehört zu haben. Da stach mir auf einmal ein merkwürdiger Geruch in die Nase. Ich blieb kurz stehen und schnüffelte, aber diesen Duft konnte ich nicht zuordnen. Plötzlich hörte ich ein gefährliches Fauchen und danach ein laaanges Knurren. Das war das lääängste Knurren, das ich jemals vernommen habe. Es endete gar nicht. Gleichzeitig vernahm ich eine blitzartige Bewegung. Sehen konnte ich nur wenig. Ein großer buschiger Schatten. Er drohte mir. Vor lauter Angst traute ich mich gar nicht hinzusehen. Aber es roch so interessant. Da! Ein langer heller Streifen! Soll wohl die Nase sein. Winzige Augen und Ohren? Ohren hat der wohl keine. Hui, wie komisch! Da grummelt es schon wieder. Oh, sind das lange Zähne. Ok bin ja schon weg. Aber umdrehen musste ich mich noch einmal. Da verschwand der hell-dunkle Schatten in der Erde. Ich hörte wieder Muddi. Nein Vaddi. Oder doch Muddi? Es kamen abwechselnd Rufe von beiden, aber aus genau entgegengesetzter Richtung. Die Stimmen kamen immer genau von dort, wo ich nicht war. Und wenn ich dort hinlief, wo ich nicht war, kamen sie von da wo ich schon war. Muddi ich hab Angst, ich bin auch wieder lieb. Da ein Licht. Und weg ist es. Ich hab mich dann zusammengerollt und geweint, wollte keinen Schritt mehr gehen. Ich war doch noch so klein. Muddi wird mich finden! Aber nichts passierte. Und wieder hatte ich eine Super-Idee. Wenn mich niemand findet, dann geh ich allein nach Haus. Den Weg kenne ich, schließlich bin ich hier fast jeden Tag. So tappte ich zaghaft los. Manchmal blieb ich kurz stehen, weil ich mich erschreckte. Ihr glaubt ja gar nicht, wie gut man im Dunkeln hören kann. Alles ist doppelt so laut wie am Tag. Endlich. Jetzt war ich mir sicher. Das ist unser Weg. Vorbei an den kläffenden Schäferhunden, auf die Straße. Hier gehe ich immer bei Fuß oder ich muss an die Leine. Oh, da vorn kommt jemand. Jetzt müsste ich Kuckuck spielen. Ich warte einfach. Vorbei! Das war ja einfach! Da raschelt schon wieder was. Egal, ich will nur noch nach Hause. Da vorn sind schon die Gärten. Dort pinkel ich immer an den Zaun. Was ist das denn schon wieder? Jemand ist an meinem Zaun! Was macht der denn da? Fummelt mit einem Papier rum. Ob ich einfach weitergehe? Ich warte lieber. Hilfe, der kommt auf mich zu. Steigt auf so ein Flitzding mit Rädern, steigt wieder ab. Stellt das Ding an den Zaun und kommt auf mich zu. Lauf ich lieber los? Moment! Die Stimme kenne ich. Rocky? Das bin ich. MUDDDIII!!! Ich lauf schnell hin. Tatsächlich. Sie ist es. Ich schlapper freudig ihr Gesicht ab. Ganz salzig schmeckt das. Nun zitter ich vor Freude. Zu Hause erwarten mich schon alle. John und Vaddi freuen sich genauso wie ich. Keiner ist böse. Ich muss mich jetzt ausruhen. Man bin ich fertig! Die reden über mich! Die ganze Zeit quatschen die über mich, aber ich bin zu müde. Stromer, Ausreißer, Hasenjäger??? Ist das hier schön kuschlig. Hilfe! Ein Schatten: Scharfe Zähne, lange weiße Nase, böses Knurren, Hilfe! Hilfe! Ich bin ganz allein!

"Ist ja gut mein Dicker, du träumst!" Ich kuschel mich an Muddi, die lässt sich keine Angst machen. Warte nur, wenn ich groß bin, dann mach ich dich fertig!

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