Der Schwanentöter  Annett Kallauke April 2013

 

Im Traum bin ich ein Schwan-

lass meine Flügel schwingen,

dass oben in der Luft

die schönsten Lieder klingen.


Ich lande sanft auf einem See

und jeder schaut mich an.

Stille Ehrfurcht ringsherum:

„Was für ein schöner Schwan!“


Nach dem Erwachen möchte ich

mich gerne revanchieren,

für die brillante Illusion-

bei den grandiosen Tieren.


So führt mich meine Joggingmeile

hin zu den Gärten gleich.

Dort brütet schon ein Schwanenpärchen

an einem kleinen Teich.

 

Seit jeher ist ein weißer Schwan

der Inbegriff für Göttlichkeit,

für Anmut, Reinheit, Liebe, Treue,

für Demut und Ergebenheit.


Die Schwanenfrau in ihrem Nest,

erwartet mich im Sonnenlicht.

Mir begegnet still ihr Blick,

um nicht zu stören gehe ich.

 

Mein Weg, den ich fast täglich geh,

führt mich zu diesen edlen Tieren,

die ob sie 's wollen oder nicht

so sehr mein Herz berühren.

 

Wir tauschen Blicke, weiter nichts

und ich spür zu jener Zeit

ein Gefühl von Treue, Liebe,

Demut und Ergebenheit.

 

Heute warte ich vergeblich,

trete dicht ans Ufer ran.

Verwesung steigt mir in die Nase!

Tot ist er, mein schöner Schwan.

 

Heftig hat das Tier gekämpft,

um sein bisschen Leben,

dennoch wurde es besiegt:

Der Kopf liegt weit daneben.

 

Ein Moment der Angst, des Hasses,

ein Atemzug Gottlosigkeit,

ohne Liebe, ohne Treue

macht sich plötzlich in mir breit.

 

Zerstückelt liegt der Schwan am Ufer:

‚Hätte ich ihm helfen können? ‘

Ich versuch's mir zu verkneifen,

doch letztendlich muss ich flennen.

 

Um endlich Ruhe nun zu finden,

komme ich zu dem Entschluss:

Ich bedaure diesen Menschen,

der sich abscheulich hassen muss.

 

Verscheide ich mal irgendwann,

dann spielt für mich an diesem Tag,

unter einer Trauerweide

den "Schwanenkönig" von Karat.

 


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