Spontane Einstellung



Es ist recht schwül. Mit kurzer Jeans und Tanktop bin ich auf dem Weg zum Bäcker. Mein Haar ist frisch gewaschen und noch nass. Da erblicke ich an einem Bürogebäude, das mir noch nie so besonders aufgefallen ist ein großes Plakat: Dringend!!!

Hallo! Wir suchen genau DICH! Bist du kreativ, hast Freude am Schreiben, kannst selbstständig arbeiten, findest eigenständig Lösungen für Probleme? Perfekt! Wir würden uns freuen, wenn du unser Team unterstützen würdest! Sehr gute Bezahlung. Gern auch Quereinsteiger.

Hmmm. Hört sich ja spannend an. Da bin ich einfach mal rein, um mich zu erkundigen, was das für ein Unternehmen ist. Holterdiepolter wurde ich zum Vorstellungsgespräch hereingebeten. Verdammt, ich hätte ja vorher wenigstens mal fix googeln können. Völlig unvorbereitet, dafür umso neugieriger betrat ich einen Raum, in dem ich mich sofort wohlfühlte. Zwei nette Herren begrüßten mich mit der Bitte, ihnen gegenüber Platz zu nehmen. Sie stellten sich kurz als Geschäftsinhaber vor. Dann durfte ich etwas von mir erzählen.

Der Ältere von beiden fragte nach meinen Bedingungen für eine Einstellung. Da die Bezahlung recht gut ist, meinte ich mir würden 35 Stunden die Woche reichen. Ich bin jetzt in einem Alter, wo ich Überstunden nicht mehr machen möchte. Wochenenden werde ich auf gar keinen Fall arbeiten. Ein gutes Team ist mir besonders wichtig, ich hab keinen Bock, von Idioten umgeben zu sein. Weihnachts- und Urlaubsgeld wären auch sehr schön, jedoch ist eine ehrliche Vertrauensbasis von größerer Bedeutung für mich.



Die beiden steckten die Köpfe zusammen und der jüngere redete auf den ältern Herren ein. Ich lehnte mich derweil entspannt zurück und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. Die beiden Männer sahen mich etwas verblüfft an. Ihre Diskussion wurde heftiger. In einem großen Schrank mit verglaster Tür konnte ich deutlich mein Spiegelbild erkennen. Meine Güte!, wie lange habe ich denn meine Achselbehaarung nicht entfernt! Ich überlegte, ob ich schnell meine Arme wieder an den Körper lege. Aber nein! Was solls!

Der Gedankenaustausch der beiden Geschäftsinhaber fand kein Ende.

Ich sah auf die Uhr, stand auf und räusperte mich. "Meine Herren, ich stehe noch voll im Arbeitsprozess. Es wäre also schön, wenn sie ihre Diskussion kurz unterbrechen könnten. Ich möchte mich verabschieden.



Die Herren nickten sich schweigend zu und erhoben sich.

Der Ältere reichte mir zuerst die Hand. "Genau solche Leute wie Sie wollen wir in unserem Team. Leute, die wissen was sie wollen, mit Selbstvertrauen, die eine eigene Meinung haben, die sich nicht verbiegen lassen, Leute, die nicht alles schlucken. Herzlich willkommen!"

Nun reicht mir der jüngere Herr die Hand:

"Wir hoffen doch sehr, dass wir Sie als neue Mitarbeiterin begrüßen dürfen. Wann Können Sie anfangen?"

Ich wollte gerade fragen, ob ich das hier alles träume, da klingelte mein Wecker.


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