Hier stelle ich Bilder und Texte rund um das Thema Wald vor.

Irgendwann konnten mich diverse Bäume dazu überreden, einmal etwas anderes auszuprobieren, als nur zu schreiben. Ich will mich jetzt nicht als Fotografin versuchen, sondern nur anhand der Bilder darstellen, dass es noch mehr gibt, als Fernsehen, Computer, Arbeit und Zeitschriften. Nein, ich habe keine Langeweile!
Es tut gut sich ab und zu einfach Zeit für sich selbst zu nehmen. Und es macht gesund!
Ich renne seit fast drei Jahren durch diesen kleinen Wald hier in Rostock. Beim Joggen habe ich zwar immer das Flüstern des Waldes genossen, mich an seinem Duft erfreut und gestaunt, wenn ich ein Reh oder einen Fuchs zu Gesicht bekam. Als mich eine starke Erkältung dazu zwang, mich langsamer fortzubewegen, konnte ich erkennen, dass irgendwie jeder Baum eine Geschichte erzählt und jeder sein eigenes „Gesicht“ hat. Besonders häufig konnte ich Augen erkennen. Manche sehen etwas gruselig aus, andere einfach nur interessant.

Fast jeder Baum scheint Augen zu haben.
Mancher hat eins, ein anderer zwei oder drei.

Einige sind übersät mit Augen.


Erstaunlich, was man erkennen kann, wenn man es zulässt. Hat man eine gewisse innere Ruhe erreicht und sich für einen Moment vom Alltag entfernt, kann man mit so einem Waldspaziergang die gleiche Wirkung erzielen, wie mit einer Yogastunde. Der Geist wird vom alltäglichen Ballast gereinigt. Jemand, der es gelernt hat seine Seele regelmäßig zu klären, weiß das sehr zu schätzen. Man tut nicht nur etwas für die Gesundheit, sondern erspart sich auch einige Arztbesuche. Harmonie von Körper und Geist bringen Lebensfreude. Geschenkt bekommt man sie nicht. Doch wir können vieles dafür tun. Was wir dafür brauchen? Täglich ein paar Minuten.
Zeit, die wir in der heutigen Gesellschaft alle glauben nicht zu haben. Eine Investition lohnt sich allerdings. Ich meine zu investieren in ein paar Minuten Stille. Wir werden täglich von Ereignissen überflutet.
Wir müssen unserem Geist ab und zu Ruhe gönnen. Wenn es ihm zu laut wird, fängt nicht selten der Körper an zu schwächeln.
Die meisten unserer Wehwehchen rühren wohl daher, dass wir zu gut essen, uns zu wenig bewegen und uns zu wenig Zeit für uns selbst nehmen.

 

Bei einem Spaziergang durch den Park oder Wald empfinde ich völlig anders als beim Joggen. Beim Laufen sind erst noch Gedanken da. Ich will sie aber loswerden. Nach und nach verschwinden sie und wenn ich Glück habe, laufen die Beine irgendwann von selbst und der Geist ist absolut frei von jeglichem Ballast. Ich laufe meinen Kopf sozusagen leer. Es ist ein Gefühl von totaler Leichtigkeit, als würde ich schweben. (Ich weiß, das sieht in echt nicht so aus!)
Es ist als würde ich nur Seele sein. (Zu Hause schmerzen später Knie und der Knöchel.)
Beim Schlendern allerdings, suche ich bewusst nach Bildern, die mich den Alltag vergessen lassen. Das heißt eigentlich finden sie meine Augen ganz allein. Ich gehe noch weiter: Wenn ich es zulasse, glaube ich, ist es meine Seele, die diese Bilder findet. Denn sie will arbeiten, das ist ihre Natur. Erst ist es womöglich eine Feder ist, die am Wegesrand liegt, ein Pilz, unter einer Wurzel, eine Schnecke, die auf dem Weg schleicht oder ein Eichhörnchen, das sich schnell versteckt. Anders als beim Joggen erreiche ich gelegentlich einen Zustand der mir erlaubt Gestalten und Formen wahrzunehmen, die für meinen reinen menschlichen Verstand unsichtbar bleiben. Da wird aus einem alten Baumstamm ein Hund, aus einem abgebrochenen Ast ein Adler, aus einer Wurzel ein Elefant.
Manch einer würde auch sagen, da spricht doch nicht die Seele, du hast einfach zu viel Fantasie. Nein, hab ich nicht. Ich bin recht fantasielos. Wenn ich welche hätte, würde ich ja jedes Mal etwas erkennen können. Wenn an einigen Tagen irgendwer auf einen Ast zeigen würde mit der Frage: „Na, was ist das?“, dann würde ich mit der Schulter zucken und dem Spinner antworten, dass ich einen Ast sehe. Wenn ich aber Gelegenheit bekomme, mich darauf einzulassen, dann ist es möglich, dass ich die merkwürdigsten Gestalten in diesem Ast erkenne. Ein Mensch mit Fantasie braucht keine Zeit zum Abschalten.
Bilder die entstehen, wenn wir an gar nichts denken, sind die Sprache der Seele. Ich erkläre mir dieses Phänomen so: Die Seele wird heute oft unterschätzt oder sogar vergessen. Dabei will sie einfach nur beachtet werden. Wenn man ganztägig berufstätig ist, wird so einer kleinen Seele ganz schön viel abverlangt. Wenn sie keine Entfaltungsmöglichkeit hat, eingesperrt ist, strenge Anweisungen zu befolgen hat, dann leidet sie. Sie will eigentlich nur in Ruhe „Sein“ und sich an der Schönheit des Lebens erfreuen. Wenn wir 8 Stunden am Tag arbeiten, können wir natürlich keine Rücksicht darauf nehmen, dass es sich unsere kleine Seele gern lustig machen will. Unser Verstand zwingt sie zur Ruhe. Wir haben keine Zeit, wir wollen fertig werden, wollen nach Hause. Wir können uns jetzt nicht den farbenfrohen Regenbogen anschauen oder vielleicht noch den frechen Regentropfen, der beschwingt an der Fensterscheibe einen Purzelbaum schlägt.
Aber wir müssen aufpassen. Die Seele, so winzig sie auch ist, hat eine gewaltige Macht. Vor allem über unseren Körper! Wenn wir mental und physisch in Form bleiben wollen, sollten wir uns unbedingt mit ihr vertragen. Gönnen wir ihr doch den Spaß und sehen uns ab und zu den lustigen Regentropfen an! Unserer Arbeit schadet das keineswegs. Wir müssen es ja nicht übertreiben, alles stehen und liegen lassen: „Hallo, kommt mal alle her! Habt ihr schon diesen Tropfen hier gesehen. Ja, was bist denn du für einer?...“ Unser Seelchen ist bescheiden. Ihr reicht ein Wimpernschlag der Betrachtung, ihr genügt es, wenn wir diesen Wassertropfen überhaupt nur bemerken, wenn wir kurz von unserer Arbeit aufschauen. Was für uns ein winziger Augenblick ist, ist für sie von Ewigkeit. Der Wassertropfen ist selbstverständlich nur eins von unendlich vielen Beispielen.
Wir können in Bruchteilen von Sekunden, auch wenn wir schwer beschäftigt sind, so viele wunderbare Dinge bemerken: Ein Lächeln, ein Zwinkern, einen Sperling auf der Fensterbank, einen Sonnenstrahl, der uns berührt, den Duft von frischem Kaffee...
Ich habe mich mit meiner Seele so geeinigt. Sie kann beim Spazierengehen oder Joggen oder manchmal, zwischendurch, wenn ich mir eine Pause gönne, frei sein. Auch in meinen Gedichten, da schätze ich besonders ihr schöpferisches Potential. Wenn ich arbeite, muss sie sich dafür mit winzig kleinen Augenblicken begnügen, denn da hat der Verstand das Sagen. Sie scheint diesen Kompromiss eingegangen zu sein, glaub ich.
Zu Recht fragen Sie sich: „Woher will die Schreibertante das alles wissen?“
Ich bitte Sie. Wissen weiß das doch eigentlich jeder. Lauschen Sie doch einfach mal in sich hinein!

Ein Seufzer im Baum!

 

Nach oben