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Mit meiner Hummelbegeisterung habe ich wohl so einige von euch angesteckt! Diese Seite soll eine Einladung für alle diejenigen sein, die darüber nachdenken etwas zum Schutz der Gattung Bombus beizutragen.

So mancher hat selbst Lust bekommen diesen pelzigen Brummern ein Heim geben zu wollen? Dann mal los! Ein Haus basteln oder kaufen, etwas Kleintierstreu und Heu einfüllen, aufstellen und schon könnt ihr von März bis August ein bzw. ausfliegende Hummeln beobachten.

So einfach ist es natürlich nicht! Vielleicht klappt es trotzdem, wenn alle Zufälle es gerade gut meinen. Grundsätzlich rate ich allen Menschen davon ab Hummeln anzusiedeln, die sie nur als Deko halten möchten. Dafür habe ich diese Tierchen zu sehr lieb gewonnen. Das tiefe Brummen einer Königin löst ein unglaubliches Glücksgefühl in mir aus und ich möchte dieser Gattung in keinster Weise schaden. Nun möchte ich natürlich nicht diejenigen verschrecken, die reinen Herzens mit dem Gedanken spielen den Hummeln zu helfen. Ich habe schließlich auch irgendwann den ersten Schritt gemacht und ganz sicher auch so einige Fehler. Nur weil es mir gelang, erfolgreich Erdhummeln anzusiedeln, bin ich noch lange kein Experte. Niemand muss "Hummelogie" studieren, um erfolgreich bei der Ansiedlung zu sein. Es reicht für den Anfang Liebe zu diesen Geschöpfen, dann kommt alles von ganz allein. Wer es bis hier geschafft hat zu lesen, der meint es wohl tatsächlich ernst! 

Are you ready to bumble? 

 

So fing es an

Schuld an meiner Hummelbegeisterung ist unsere Inge.
Als sie in der Arbeitspause voller Leidenschaft an einer Pfingstrose schnupperte, wünschte sie sich eine Biene zu sein, damit sie direkt in die duftende Blüte kriechen konnte. Ingelotte wollte mehr von diesem wunderbaren Aroma. Dann schaute sie selbstkritisch an sich herunter und stellte fest, dass sie wohl eher eine Hummel ist.
Damit inspirierte sie mich zu folgendem Gedicht:

Inge will ne Hummel sein (für Ingelotte 12.06.13)

Pfingstrosen in der Blumenvase
und Inge steckt betört die Nase
in die lieblich süße Pracht

Gern würd sie in die Krone kriechen,
um intensiver dran zu riechen,
schelmisch wird gelacht

Doch Inge ist dafür zu schwer!
Ach, wenn sie doch ne Hummel wär!

Letztes Jahr ging Inge in den wohlverdienten Ruhestand. Wir fertigten ein Abschiedsbuch für unsere Gruppenälteste an. Ich erklärte mich bereit den Text dafür zu schreiben. Und dann passierte es. Ich habe mich verliebt! Selbstverständlich musste dieses Gedicht in das Buch. Es war unumgänglich ein paar nähere Informationen über Hummeln zu sammeln. Bombus ist ihr lateinischer Name. Sie gehören zu den Widbienen, sind ca. 18 Stunden unterwegs, viel länger als die Honigbienen, mit denen sie verwandt sind. Sie trotzen Kälte, Regen und Sturm, fliegen weiter und schneller und besuchen viel mehr Blüten, als diese. Doch ich will Maja auf gar keinen Fall schlecht machen, sondern einfach nur kurz erklären, wie ich auf die Hummel kam. Es gibt so viel Wissenswertes, Erstaunliches, Liebenswertes und wer über diese pelzigen Brummer mehr erfahren will, dem empfehle ich das Buch von Dave Goulson "Und sie fliegt doch: Eine kurze Geschichte der Hummel." Sachlich, liebevoll, faszinierend und vor allem humorvoll geschrieben. Das Buch "Hummeln bestimmen, ansiedeln, vermehren, schützen", der bekannten Hummelexperten Eberhard v.Hagen und Ambros Aichhorn, enthält alle wichtigen Informationen, sozusagen ein Hummelstandardwerk. Auch die Dokumentation: "Hummeln – Bienen im Pelz", von Kurt Mündl, kann ich jedem Hummelfreund empfehlen. Wer daran interessiert ist, diesen wertvollen Insekten ein zu Hause zu geben, sollte sich vorher gut informieren. Eine Hummelkönigin hat nur eine einzige Chance in ihrem Leben einen eigenen Staat zu gründen. Es wäre fahrlässig aus einer Laune heraus, ohne sich auch nur das geringste Wissen angeeignet zu haben, zu versuchen ein Volk anzusiedeln. Ich habe ein Jahr lang Dokumentationen angesehen, Bücher gelesen und an der Umsetzung meiner Ideen gearbeitet, bis es mir endlich gelang eine Erdhummelkönigin zu beherbergen. Gartenbesitzer sind da im Vorteil. Ein nicht allzu akkurat gepflegter Garten, mit einigen naturbelassenen Fleckchen und vielen Trachtpflanzen wird die bepelzten Flieger anlocken und die Selbstansiedlung gelingt gewiss, wenn man an geeigneter Stelle eine Nistmöglichkeit aufstellt. Dies ist immer die beste Methode und der aktiven Ansiedlung vorzuziehen, da man, gerade als Anfänger, keinen Schaden dabei anrichten kann!
In der 4. Etage, wie es bei mir der Fall ist, wird das schon schwieriger. Hummeln suchen gern am Boden nach verlassenen Mäusenestern. Natürlich kommt es auf die Gattung an. Die Baumhummel hält oberirdisch Ausschau nach einem Nest, das gern ein Vogelnistkasten ist. Ich entschloss mich ein fertiges Hummelhaus zu kaufen. Mit etwas Geschick, kann man sich auch selbst eins bauen. Anleitungen gibt es viele, zum Beispiel in dem von mir erwähnten Standardwerk. Schon beim Kauf eines Hummelkastens ist es von Vorteil, wenn man sich vorher belesen hat. Es werden viele zu kleine und unbelüftete Varianten angeboten. Es entsteht sehr viel Wärme in einem Nest! Bei unzureichender Belüftung ist Schimmelbildung vorprogrammiert.
Ich entschied mich für die XL-Variante und bin froh darüber, denn das Hummelvolk hat sehr schnell an Größe gewonnen.
In die Holzkiste stellte ich einen Karton, der mit Sägespänen und Kapok ausgekleidet wurde. An der Stelle, wo die Laufröhre endet, formte ich eine kleine Mulde, um ein Nest nachzubilden. Ich habe darauf geachtet, dass der Hummelkasten einen Vorbau hat und auch mit einer Schutzklappe gegen Wachsmotten ausgerüstet ist. Der Eingang sollte nach Osten zeigen.

Ganz wichtig! Die Hummelpension darf nicht mehr umgestellt werden, nachdem  eine Königin eingezogen ist!


Deshalb sollte man sich rechtzeitig um den richtigen Standort Gedanken machen. Zu viel Sonneneinwirkung könnte die Wachswaben zum Schmelzen bringen, was den Tod eines Volkes bedeutet.

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In einem Forum konnte ich viele nützliche Informationen erhaschen, so dass ich im kommenden Jahr noch reichlich Verbesserungspotential habe. Die Plattform nennt sich "Pollenhöschen" und ich habe auch als unangemeldeter Besucher viele Antworten gefunden.
Natürlich will ich niemanden abschrecken, der bereit ist Hummeln zu beherbergen. Es muss ja nicht gleich jeder Experte werden und stapelweise Bücher lesen. Doch jeder Hummelfreund sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein, die er für ein ganzes Volk hat, sobald sich eine Königin in einer künstlichen Nisthilfe niederlässt. Der Internetauftritt https://www.bombus.de/  ist für Anfänger sehr gut geeignet sich zu informieren.


Ich verteilte getrockneten Lavendel und einige Tropfen ätherisches Lavendelöl zwischen den Wänden, um den Nestgeruch zu überdecken und damit Wachsmotten fernzuhalten. (Allerdings entdeckte ich bei der Säuberung am Ende dennoch einige). Einen geeigneten Standort fand ich rechtzeitig. Es ist wichtig, dass die Herberge nicht in der prallen Sonne steht. Anfang März stellte ich die Hummelwohnung auf und am 22. März war es dann so weit. Die Besiedlung gelang auf Anhieb.

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Wenn man sich informiert hat, ist es nicht schwer eine nestsuchende Königin aufzuspüren. Nächstes Jahr hoffe ich allerdings auf eine passive Ansiedlung, da jede Menge Jungköniginnen das Nest verlassen haben und irgendwo in der Nähe überwintern werden, um im Frühjahr einen eigenen Staat zu gründen. Auch, wenn Hummeln normalerweise in bodennähe auf Wohnungssuche gehen, bin ich guter Dinge, dass eine hierher zurückkehrt.

Das Hummelhaus sollte spätestens Anfang März auf dem auserwählten Platz stehen.

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"Meine" Erdhummelkönigin, nannte ich Anna. Gemeinsam mit meinem Mann beobachte ich fasziniert ihren Orientierungsflug. War ich aufgeregt! Anna machte alles genau nach Lehrbuch. Sie inspizierte einige Zeit den Kasten, dann kam sie langsam heraus, begutachtete den Vorbau, drehte sich um und prägte sich im Flug den Eingang ein. Ihre Kreise wurden immer größer. Nach einer Weile kehrte sie zurück. Anscheinend hat ihr die Wohnung und auch die nähere Umgebung zugesagt. Sie begann sofort mit dem Nestbau und flog jeden Tag mehrmals los um ihre Vorratstöpfe zu füllen. Ich bin immer noch begeistert. Egal ob es schneite, regnete oder stürmte, Anna kam mehrmals täglich schwer beladen von ihren Ausflügen zurück. Sie war dabei so schnell, dass man schon Glück und Geduld haben musste, sie dabei zu erwischen. Manchmal machte ich mir Sorgen, weil ich sie länger nicht gesehen hatte. Wie schnell kann einer Hummel etwas zustoßen! Fleißige Meisen oder auch Autos könnten ihr Ende bedeuten. Dann wandte ich einen Trick an, von dem ich gelesen habe. In abendlicher Stille klopfte ich kurz an das Häuschen und sofort meldete sich Anna mit einem tiefen vibrierenden Brummgeräusch. Dann fiel mir ein Stein vom Herzen. Beruhigt ging ich ins Bett. Wie konnte ich an meiner Königin zweifeln!

Ungefähr 4 Wochen dauerte es bis Anna Unterstützung von den ersten Arbeiterinnen bekam. Was  für ein Augenblick, als ich die erste Arbeiterin entdeckte, die ihren Orientierungsflug absolvierte! Diesen Flug macht jede Hummel, die zum ersten Mal das Nest verlässt und sich den Eingang einprägt. Später fliegen die fleißigen Tierchen so schnell rein und raus, dass man es nur mitbekommt, wenn man Interesse daran hat. Ich habe mir das faszinierende Verhalten der Hummeln mehrfach in Zeitlupe angesehen und bin immer wieder verblüfft über ihre Genauigkeit, die Arbeitseinteilung und was für Mengen Pollen sie tragen können. Sie transportieren das Doppelte ihres Gewichtes, was sehr energieaufwändig ist. Die Nektarsammlerinnen sehen auf den ersten Blick unbeladen aus, da die Flüssigkeit im Magen gesammelt wird. Pollensammlerinnen erkennt man als Laie sofort an den Pollenhöschen. 

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Zum Schutz vor Wachsmotten habe ich die Schutzklappe angebracht. Sehr schnell lernten die Hummeln damit umzugehen. Damit auch die Junghummeln schneller damit zurechtkommen, klebte ich die Klappe bis auf einen Spalt, durch den noch Licht dringt, im unteren Bereich ab. Logischerweise suchen sie den Ausgang im Hellen. Deshalb habe ich auch die vormontierte Beobachtungsplatte abgeklebt, die schon Anna irritierte. Das Eingangsloch habe ich unten leicht angeschliffen und mit Sandpapier geglättet, damit die Arbeiterinnen den Ausgang besser fühlen konnten. So fanden sie bei der Rückkehr sofort den Eingang und hoben mit ihren Köpfchen die Klappe an um hineinzuschlüpfen. Die leichte Kunststoffplatte vor dem Eingangsloch ist an einem angeschrägtem Holzklotz befestigt und schützt nicht nur vor Wachsmotten, die zu schwach sind die Klappe aufzudrücken, sondern auch vor Kuckuckshummeln, Ameisen und anderen unerwünschten Besuchern. Bei Verwendung dieser Sicherheitsmaßnahme sollte man selbstverständlich regelmäßig kontrollieren, ob alles in Ordnung ist und das Haus muss sehr gut belüftet sein. Bei regem Flugverkehr sollte die Klappe regelmäßig feucht abgewischt und unbedingt abgetrocknet werden, da sich eine feuchte Klappe schwer öffnen lässt. Das hört sich nach viel Arbeit an? Ja! Etwas Zeit kostet der Hummelspaß. In der Natur haben die Insekten keine Wachsmottensperre. Sicher. Da haben sie auch andere Bedingungen. Dennoch werden auch dort reichliche Hummelnester vor Ausflug der Drohnen und Jungköniginnen Opfer der Wachsmottenlarven. Die Hummeln, denen ich ein Heim gebe, sollen es besser haben. Ihnen bleibt ohnehin schon immer weniger natürlicher Lebensraum und sie leiden unter dem Anbau von Monokulturen, Einsatz von Insektiziden, Pflügen blühender Grünflächen und Überdüngung. Immer mehr Arten sterben aus oder stehen auf der Roten Liste. Meine Zöglinge sollen ihr Ziel erreichen, deshalb der ganze Aufwand. Ich möchte mich nicht einfach nur an ihnen erfreuen oder sie als schmückendes Beiwerk halten. Ich will, dass es ihnen gut geht und dass für die nächste Generation gesorgt ist. So viel können wir von ihnen lernen! Die Hummel soll leben! Auch meine Enkelkinder sollen sich noch an ihrem Gebrumm erfreuen können. Eine Königin, die wir im Frühjahr beobachten, erschafft ein ganzes Volk. Wenn etwas bei der Nestgründung schiefläuft, oder ihr etwas zustößt, bedeutet das den Untergang eines ganzen Staates. Keine Nachkommen!

Ich bin stolz darauf, dass meine fleißige Anna ein so starkes Volk hervorgebracht hat. Abends reinigte ich immer den Vorbau. Irgendwann hat eine Wächterin diese Arbeit übernommen. Eines Morgens kam sie mir drohend entgegen, als ich nach dem Rechten sehen wollte. Sie blockierte das Einflugloch und in regelmäßigen Abständen reinigte sie dieses nun, indem sie ihren Flügelventilator anschmiss.
So eine Reinigung ist unheimlich interessant. Die Heimkehrerinnen wurden jedes Mal geprüft, bevor sie in das Nest durften. Das habe ich natürlich nur in der Zeitlupe erkannt. Ich nehme an, dass die Wächterinnen nestzugehörige Hummeln am Geruch erkennen.

Später gab es mehrere Wächterinnen und Ende Mai habe ich die Klappe entfernt, weil ständig Stau im Eingangsbereich war. Ich sorgte dafür, dass zumindest nachts, wenn der gefährliche Wachsmottenfeind unterwegs war, der Eingang verschlossen wurde. Doch irgendwann hinderten mich die Wächterinnen daran und positionierten sich quer vor dem Zugang.
Die drei Lüftungsgitter schienen mir mit Spänen und Kapok verstopft zu sein. An heißen Tagen regelten die Tierchen das Klima, indem sie gemeinsam mit den Flügeln Luft fächerten, um die Brut zu kühlen. Ich besorgte einen Ventilator zum Aufladen per USB-Stecker, der viele Stunden arbeitete und stellte ihn vor die Lüftungslöcher, die ich so gut es ging freiräumte. Ich hatte zwar vorher genau überlegt, wo das Haus am besten steht, doch im nächsten Jahr habe ich einen noch schattigeren Standort ausgewählt, denn durch die Kühlung mit der Flugmuskulatur verbrauchen die Brummer sehr viel Energie, die sie gut für die Versorgung des Nachwuchses einsetzen können. Auch optimiere ich den Nistkasten und füge weitere Lüftungslöcher, die mit feinmaschigem Gitter abgedeckt werden hinzu. Mit Kühlakkus, die ich ständig auswechselte, konnte ich dem Volk ganz gut helfen. So erblickte ich bereits im Juni Drohnen und darauf folgend jede Menge Jungköniginnen. 
Damit hatte Anna ihre Aufgabe erfüllt. Circa 500 Hummeln, sehr wahrscheinlich sogar mehr bewohnten insgesamt das Hummelhotel. 


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Welch wunderbares Gefühl eine Prinzessin nach der anderen abfliegen zu sehen! Zur Hummelhochsaison flogen stellenweise drei Arbeiterinnen oder mehr ein und aus. Es verging keine Minute am Tag, wo kein Betrieb herrschte. Früh 4.30 flogen die ersten und abends 22.30 kehrten die letzten zurück. Die Wächterinnen hatten volles Programm und hockten auch nachts am Eingangsbereich. Eine Hummeltränke mit Zuckerlösung, die ich auf dem Haus platzierte wurde verschmäht. Dafür freute ich mich über eine Sandbiene. Am nächsten Tag, als ich von der Arbeit kam, schwirrte eine dunkle Wolke kleiner Bienen über der Hummeltränke. Ich entfernte sie sofort und die Bienen suchten nun nach dem süßen Trank. Es dauerte eine Weile, bis sie verschwanden und ich gebe zu, dass ich mit einer Sprühflasche Wasser verspritzte, um sie wieder loszuweren. Doch die waren sehr hartnäckig und einige kamen noch am Abend, um zu sehen, ob tatsächlich nichts mehr von dem Zuckerwasser da war. Sobald eine von ihnen zu dicht an den Eingang kam, stürmte eine Wächterin heraus und stach gnadenlos zu. Im Gegensatz zu den Hummeln, die gemütlich brummen, haben ihre kleinen Verwandten ein hektisches Summgeräusch.


Ende Juni kam eine völlig erschöpfte Königin aus dem Bau gekrochen. Ich vermute, dass es sich um Anna handelte und nehme an, dass ihre Töchter sie mit Bissen und Stichen aus dem Nest vertrieben. In der Natur kommt es nicht selten vor, dass die alte Königin getötet oder verjagt wird. Meine Annahme wurde durch das Verhalten der Arbeiterinnen, deren Ordnung plötzlich verloren ging, bestätigt. Die Wächterinnen hatten plötzlich frei und jede Menge Larven wurden aus dem Nest geschleppt, wobei ich nicht weiß, ob es einfach nur zu viele wurden, oder ob es sich um ungesunde Brut handelte, die deshalb aussortiert wurde. Gerade nach einem sehr heißen Tag konnte ich das oft beobachten. Auch mit der Varroa-Milbe machte ich leider Bekanntschaft. Die wird durch die Honigbiene auf die Hummel übertragen. Die Hummel selbst stirbt dadurch nicht, doch die Milbe kann das Flügeldeformationsvirus (DWV) übertragen. Dadurch sterben Larven und bei erwachsenen Hummeln kommt es zu verkrüppelten Flügeln. Das könnte vielleicht die Erklärung für das Heraustransportieren toter Hummellarven sein.

Ich nahm die geschwächte alte Königin in die Hand. Sie wehrte sich nicht. Anhand der verblassten Farbe war ich mir ziemlich sicher, dass es Anna war. So konnte ich mich bei ihr bedanken und mich verabschieden.

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Ihre Lebenszeit denke ich, war so oder so um, denn sie beträgt nur ein Jahr, wovon sie die meiste Zeit in der Winterruhe verbringt. Arbeiterinnen und Drohnen leben nur wenige Wochen.

Mit Annas Rauswurf ging nicht nur die chaotisch erscheinende, aber durchaus perfekt organisierte Systematik verloren, es gab nach und nach weniger Flugbetrieb. Einige neue Arbeiterinnen flogen noch aus, doch neue kamen nicht dazu, denn nur die alte Königin konnte Arbeiterinnen zeugen. Viele Drohnen und auch noch einige spätere Jungköniginnen konnte ich noch erblicken. Einige Drohnen, ich nehme an, die eines anderen Staates, verirrten sich in mein Schlafzimmer, das sich auf der gegenüberliegenden Seite befindet.

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Ende Juli sah ich nur noch selten Hummeln ein und ausfliegen. Beim Öffnen des Kastens erblickte ich tatsächlich eine Wachsmottenmade und auch schon eine Ecke mit Gespinsten. Ich kämpfte mit mir, ob ich ein biologisches Spritzmittel einsetzten sollte. Schließlich ging das Volk seinem natürlichen Ende entgegen. Ich tat es dann und konnte die Hummelzeit dieses Volkes vielleicht noch um ein paar Tage verlängern. Ob es richtig war? Ich bin mir nicht wirklich sicher. In der Natur sorgt die Wachsmotte dafür, das das alte Nest komplett verschwindet und damit für eine neue Nistmöglichkeit im kommenden Jahr. Also hat sie ja auch ihre Daseinsberechtigung. Ach, wenn man sich mit ihr einigen könnte, dass sie erst erscheint, wenn die Hummel ausgehummelt hat, dann wäre alles gut. Im nächsten Jahr habe ich noch ein zwei Ideen, die ich umsetzen will.

Mitte August war ich dann sicher, dass keine Hummeln mehr aus dem Kasten flogen, deshalb reinigte ich ihn, was eine ziemliche Sauerei darstellt und bin jetzt dabei ihn auszubessern. Es war ein unglaubliches Erlebnis und ich freue mich schon jetzt auf die nächste Königin, die den Kasten hoffentlich von selbst besiedelt.

 
Ich bin absolut kein Hummelsachverständiger und freue mich, dass ich trotzdem einige von euch begeistern konnte! Danke für eure Aufmerksamkeit! Viel Erfolg und Freude wünsche ich allen Hummelfreunden, beim Beobachten, oder beim Ansiedeln dieser Kuschelbrummer. 

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